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  • Anna Puzio

KI-Gottesdienst: Rückblick und Zusammenfassung

Rückblick und Zusammenfassung zum KI-Gottesdienst auf dem Kirchentag 2023


Bitte beachten Sie, dass diese Aussagen Zitate von mir sind und daher zitiert werden müssen.




Erster KI-Gottesdienst: Ein Gottesdienst von KI generiert


Am 09. Juni 2023 fand der KI-Gottesdienst auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Nürnberg statt. Der Gottesdienst wurde in der Evangelisch-Lutherischen Kirche St. Paul in Fürth (bei Nürnberg) gefeiert und dauerte 37 min. Das Besondere des Gottesdienstes war, dass er vollständig von KI erstellt worden ist. Predigt, Segen, Fürbitten und Musik waren von der KI generiert. Er basierte auf den leicht zugänglichen Applikationen mypipio, AIVA, OpenAI und DeepL. In den Gottesdienst selbst hat kein Mensch eingegriffen, stattdessen wurde dieser von den Avataren auf der Leinwand durchgeführt. Vor und nach dem Gottesdienst gab es Einheiten zur Erklärung, Aufklärung und Diskussion.





Ein Meilenstein


Gerade für die Kirchen, die sich schwer mit technologischen Transformationen tun, stellt der KI-Gottesdienst einen Meilenstein dar. Spätestens mit ChatGPT brach ab 2022 ein KI-Hype (auch in der Theologie) los. Doch christliche Theologie und Religion liegen mit der Erforschung und dem Einsatz von Technik immer noch

weit zurück. Vielleicht hat dieser KI-Gottesdienst dazu beigetragen, die theologische und religiöse Beschäftigung mit KI weiter zu fördern.


Die Gebete und die Predigt der KI waren inhaltsleer und nicht sehr überzeugend. KI heute kann keine theologischen Interpretationen leisten. Der KI im Gottesdienst fehlte es an Persönlichkeit, Gestik, Mimik und Bewegungen. Religiöse Aussagen wurden nicht mit eigenen lebensweltlichen Erfahrungen verbunden. Dennoch ist es absehbar, dass KI in Zukunft persönlicher, menschenähnlicher und emotionaler wirken wird. Dies wird neue ethische Herausforderungen mit sich bringen.


Die Reaktionen


Der Andrang auf den Gottesdienst war groß. Die Schlange vor der Kirche war lang und die Kirche voll gefüllt – eine Beobachtung, die man in den Gottesdiensten heute selten macht. Hunderte Menschen nahmen teil und hatten sich gefragt, was sie erwarten wird. Der Andrang zeigt, dass das Interesse sich mit KI im religiösen Kontext zu beschäftigen und mit neuen Formen im Gottesdienst zu experimentieren, durchaus da ist.


Während des Gottesdienstes hat ein Teil der Besucher:innen die aufgesagten Gebete und Segenssprüche der KI mit Antworten erwidert und ist zum Gebet aufgestanden. Ein anderer Teil hat viel über die KI gelacht und ist zum Gebet sitzengeblieben.


Nach dem Gottesdienst waren die Meinungen gespalten. Der KI-Gottesdienst hat polarisiert und die Diskussionen im Anschluss wurden sehr emotional geführt. Die verwundert nicht, da der Technikdiskurs in der Gesellschaft allgemein sehr polarisierend geführt wird: Technikangst und Technikeuphorie stehen sich diametral gegenüber. Die Reaktionen auf den Gottesdienst waren Lachen, Belustigung, Ablehnung und Abwertung. Gerade die Technik-Skeptiker:innen, die sonst die Entwicklung der KI fürchten und ihre Gefahren betonen, sagten, die KI sei langweilig, platt und nicht gut genug gewesen. Es gab aber auch positive Stimmen, die Chancen im Einsatz von KI in Religionsgemeinschaften sehen. Diese Position habe ich ebenfalls stark gemacht.



Hier ein Ausschnitt des Gottesdienstes:






Meine Statements zu KI, Kirche und Gottesdienst




In der Zukunft mehr KI in Kirchen


Es ist naheliegend, dass in der Zukunft immer mehr Gottesdienste mit KI produziert werden. Dabei ist KI noch sehr darauf angewiesen, dass sie von einem Menschen Input bekommt und in den Gottesdienst integriert wird. Es hängt also auch mit der technischen Affinität der Durchführenden zusammen. KI wird immer persönlicher werden, noch emotionaler, lebendiger und „echter“ wirken. So wie wir heute ChatGPT zur Textproduktion nutzen, werden auch mit KI mehr Gottesdienste gestaltet werden. Man kann den KI-Gottesdienst noch gut erweitern: mehr Bildproduktion von KI, Virtual und Augmented Reality (z. B. VR-Brillen), Licht, durch mehr Interaktion und Kommunikation mit KI.


Ein Forschungsgebiet von mir sind religiöse Roboter, die bereits in einigen Religionen im Einsatz sind. Diese Roboter können religiöse Gespräche führen, Gebete begleiten, Rundführungen durch religiöse Gebäude geben, Informationen über Religionen vermitteln und religiöse Zeremonien führen.


Für den Einsatz von KI im religiösen Bereich wird es zunächst Aufklärung und Kennzeichnungspflichten brauchen.



Kein Ersatz des Zwischenmenschlichen


Es geht aber dabei um keinen bloßen „Ersatz“. Der Ersatz des Zwischenmenschlichen ist eine der Hauptsorgen vieler Menschen im Blick auf KI. Auch der KI-Gottesdienst diente nicht dem Ersatz, sondern der Erforschung und dem Experimentieren. KI sollte für die Funktionen genutzt werden, die KI am besten kann. Wir nehmen eine Beziehung zu KI und Technik ein, die immer intensiver werden wird, aber eine andere ist als die zum Menschen und die wir anders nutzen können.



Mensch und Körper: Diversity


Meine Forschungsschwerpunkte sind die Technikanthropologie und Technikethik. Technikanthropologie fragt nach dem Menschen im Kontext der Technik. Technikethik beschäftigt sich mit der Frage, wie Technik verantwortungsvoll gestaltet werden soll.

Was heißt es im Angesicht von KI Mensch zu sein? KI und Technologien transportieren Menschenbilder. Welche Menschenbilder? Wie verändert sich durch KI das Verständnis vom Menschen?

Auch das Körperverständnis wird durch KI und Technik verändert. Wir müssen oder können der KI auch wieder einen Körper geben. Für welchen Körper entscheiden wir uns?

Es gibt nicht den Menschen und den Körper, sondern eine Diversität und Pluralität von Menschen und Körpern. Diese Diversität abzubilden, sollte Ziel verantwortungsvoller Technik sein. Bislang wird diese Diversität im Technikdiskurs nicht genügend berücksichtigt.



KI für eine inklusive Kirche


Auch wenn der Gottesdienst in der durchgeführten Form bei vielen Besucher:innen den Eindruck hinterlassen hat, dass etwas fehlt, kann der Einsatz von KI in anderer Form für Kirchen und Religionsgemeinschaften viele Vorteile mit sich bringen. Zum Beispiel kann KI einen Beitrag zu einer inklusiveren Kirche leisten, da sie die Grenzen von Zeit, Raum und Körper überschreitet und so eine Breite an Zugängen bieten kann. Eine besondere Rolle spielt dabei Diversität. Um KI verantwortungsvoll gestalten und einsetzen zu können, ist eine ethische Auseinandersetzung zentral.



Weitere Informationen zur Technikanthropologie und Technikethik auch auf meiner Forschungswebsite.



Fotogalerie




Hier kann man den KI-Gottesdienst nachschauen:


Hier kann man den KI-Gottesdienst mit Podiumsdiskussion nachschauen:




Literatur


Das Buch "Alexa, wie hast du's mit der Religion?" kann auf der Verlagswebsite kostenlos gedownloadet werden: https://www.wbg-wissenverbindet.de/shop/43727/alexa-wie-hast-du-s-mit-der-religion

(Unten unter dem Reiter "weitere Informationen")



Es enthält Beiträge aus der Anthropologie und Ethik sowie meine Thesen zu KI und Religion und meinen Aufsatz zu religiösen Robotern.





Medien


Der KI-Gottesdienst ging einmal um die Welt. Verschiedene Medien im internationalen Raum haben vom KI-Gottesdienst berichtet:



Links


- U.S.News: Can a Chatbot Preach a Good Sermon? Hundreds Attend Church Service Generated by ChatGPT to Find Out, 10.06.23


- FOX2, FOX8: Can a chatbot preach a good sermon? Hundreds attend church service generated by ChatGPT to find out, 10.06.23, 11.06.23


-AP News: Can a chatbot preach a good sermon? Hundreds attend church service generated by ChatGPT to find out, 10.06.23


- BR24: Nach Kirchentags-Predigt: Kann KI in Kirchen helfen?, 13.06.23


- ServusTV, Guten Abend Deutschland: KI predigt Gottesdienst, 12.06.23

https://www.servustv.com/aktuelles/v/aat3c27kg5hma9k11zmy/


- Trending Topics: Aus Science Fiction wird Realität: Die KI-Gottesdienste sind da, 14.06.23


- ZDFheute: Kirchentag feiert erste KI-Messe: "Alexa, starte den Gottesdienst", 09.06.23



Ankündigungen vor dem KI-Gottesdienst



- Sonntagsblatt: ChatGPT hält Gottesdienst: Wie in der Kirche über den Einsatz von KI diskutiert wird, 13.04.2023


- Katholisch.de: Künstliche Intelligenz statt Pfarrer: Alexa, starte den Gottesdienst! 15.04.23 https://katholisch.de/artikel/44560-kuenstliche-intelligenz-statt-pfarrer-alexa-starte-den-gottesdienst



- Kirche+Leben: Kann KI Kirche? Ein Gottesdienst mit ChatGPT, 12.04.23





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